Den Sommer strategisch nutzen: 6 Lektionen aus der CFO-Praxis

15.09.2026

14 Min. Lesezeit

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Ari Ahmed
Ari Ahmed
Gründer Aurelio Finance | Externer CFO

Was, wenn der Sommer deine wichtigste Jahreszeit sein könnte – und du ihn gerade verschenkst? Während deine Mitbewerber auf Autopilot schalten, E-Mails verschieben und Entscheidungen vertagen, entsteht für dich ein Fenster, das es so kein zweites Mal im Jahr gibt: weniger Ablenkung, weniger Lärm, mehr Raum zum Denken. Als CFO sage ich dir: Die guten Unternehmer, die ich erlebt habe, die ihr Business wirklich massiv vorangebracht haben, haben dieses Fenster nicht zufällig genutzt – sie haben es geplant.

Warum der Sommer strukturell anders ist

Der Sommer ist strukturell anders als der Rest des Jahres – und das ist kein Klischee, sondern Realität in fast jedem Unternehmen, das ich kenne. Weniger Meetings, langsamere Entscheidungswege, ruhigere Kunden. Für viele Unternehmer fühlt sich das wie Leerlauf an. Dabei ist es das Gegenteil: Es ist die einzige Phase im Jahr, in der du wirklich lange Abstand zum Tagesgeschäft gewinnen und an deinem Unternehmen arbeiten kannst – statt nur darin. Genau das werde ich dir in diesem Artikel aus CFO-Perspektive zeigen.

Was ich in der Praxis immer wieder sehe

Wachstumsunternehmen haben selten ein Umsatzproblem, denn sie arbeiten regelmäßig an ihren Produkten, Dienstleistungen und an ihrem Marketing. Was sie bremst – und im schlimmsten Fall gefährdet – ist das Finanzfundament, das mit dem Wachstum nicht Schritt gehalten hat. Die Symptome sind fast immer dieselben:

  • Keine klare Kontenstruktur, die belastbare Auswertungen ermöglicht.
  • Finanzbuchhaltung, die auf manuellen Prozessen basiert und entsprechend fehleranfällig ist.
  • Monatsabschlüsse, die zu spät kommen oder keine echten Erkenntnisse liefern.
  • Working Capital, das nicht aktiv gesteuert wird – während die Liquidität still leidet.
  • Entscheidungen, die auf Bauchgefühl statt auf Zahlen basieren.
  • Liquiditätsengpässe, die gefühlt aus dem Nichts kommen.
  • Eine strategische Planung, die entweder fehlt oder einmal erstellt und nie wieder angefasst wurde.
  • Ein Controlling, das erst reagiert, wenn es brennt – statt frühzeitig zu steuern.
  • Keine Transparenz über Margen, Kosten und Kapitalbindung.
  • Berichte, mit denen weder Geschäftsführung noch Banken und Investoren etwas anfangen können.
  • Und schließlich: ein Team aus exzellenten Fachleuten – aber niemand am Tisch, der auf Geschäftsführungsniveau die Finanzen kennt und versteht.

Wenn du dich in zwei oder drei dieser Punkte wiedererkennst, bist du in guter Gesellschaft. Und du hast gerade den besten Zeitpunkt des Jahres, um genau das zu ändern.

Die 6 Lektionen

Was du konkret tun kannst – und warum der Sommer dafür ideal ist – zeige ich dir in den folgenden sechs Lektionen. Jede steht für eine wiederkehrende Schwachstelle, die ich aus meiner Arbeit kenne. Und jede lässt sich in dieser ruhigen Phase gezielt angehen.

Lektion 1: Dein Finanzfundament trägt nicht

Viele Wachstumsunternehmen bauen schnell – und bauen dabei aus Finanzsicht auf Sand. Konten sind historisch gewachsen, nicht bewusst strukturiert. Viele Buchungen landen dort, wo sie irgendwann mal hingehört haben. Das Ergebnis: Auswertungen, die keine echten Erkenntnisse liefern, und Planung, die auf unsicheren Grundlagen steht. Nutze den Sommer, um genau das zu korrigieren. Eine saubere Kontenstruktur ist keine Fleißarbeit – sie ist die Voraussetzung für jede unternehmerische Entscheidung, die auf Zahlen basiert statt auf Gefühl.

Lektion 2: Liquidität trifft dich kalt

Liquiditätsengpässe kommen selten wirklich überraschend – sie kündigen sich an, werden aber nicht gesehen, weil niemand genau hinschaut. Hinzu kommt: Schlechte Zahlungsmoral von Kunden wird hingenommen statt gesteuert. Der Sommer, in dem ohnehin weniger Umsatz reinkommt, ist der ideale Zeitpunkt, um ein funktionierendes Cash Management einzuführen. Das bedeutet konkret: Zahlungseingänge systematisch tracken, Forderungen aktiv nachverfolgen und eine rollierende Liquiditätsvorschau aufbauen – mindestens für die nächsten 13 Wochen. Wer das einmal etabliert hat, wird nie wieder kalt erwischt.

Lektion 3: Dein Monatsabschluss lügt dich an

Nicht absichtlich – aber er tut es trotzdem. Wenn der Abschluss mehrere Monate nach Monatsende kommt, ist er keine Steuerungsgrundlage mehr, sondern Rückblick. Und wenn er kommt, aber die Zahlen nicht belastbar sind, ist er sogar gefährlich. Im Sommer, wenn das Tagesgeschäft ruhiger läuft, liegt die Chance, Reporting-Strukturen grundlegend zu verbessern: Prozesse optimieren und dokumentieren, Verantwortlichkeiten klären, Automatisierungen einrichten. Ziel ist ein Monatsabschluss, der idealerweise innerhalb von sieben bis zehn Werktagen vorliegt und echte Erkenntnisse liefert – nicht nur Zahlen.

Lektion 4: Du steuerst auf Sicht

Controlling bedeutet in vielen Wachstumsunternehmen: Man schaut auf die Zahlen, wenn es brennt. Und dann reagiert man. Das ist kein Controlling – das ist Krisenmanagement mit Zeitverzug. Echtes Controlling steuert proaktiv: Es vergleicht Ist mit Plan, identifiziert Abweichungen früh und leitet daraus Handlungsoptionen ab – bevor aus einer Abweichung ein Problem wird. Nutze den Sommer, um die Grundlagen zu legen: Welche Kennzahlen wirklich relevant sind, wie sie erhoben werden und wer dafür verantwortlich ist. Das klingt nach Verwaltung – ist aber der Unterschied zwischen profitablem Wachstum und Stagnation / Schrumpfung.

Lektion 5: Du planst zu kurz

Viele Unternehmer, die ich kenne, planen maximal bis Jahresende – wenn überhaupt. Ein Budget für das nächste Quartal gilt bereits als vorausschauend. Das Problem: Kurzfristige Planung erzeugt kurzfristiges Denken. Investitionsentscheidungen, Personalaufbau, Finanzierungsbedarf – all das lässt sich nicht sinnvoll beurteilen, wenn der Planungshorizont bei wenigen bis zwölf Monaten endet.

Was wachsende Unternehmen stattdessen brauchen, ist eine integrierte strategische Planung über drei bis dreieinhalb Jahre, auf Monatsbasis – verknüpft aus Ergebnisrechnung, Liquidität und Bilanz. Diese Planung wird nicht einmal erstellt und dann vergessen, sondern rollierend: Jedes Q4 wird sie aktualisiert, verfeinert und um ein weiteres Jahr verlängert.

Der Sommer ist dafür der ideale Startpunkt. Nicht um die Planung selbst zu erstellen – das kommt in Q4 – sondern um die Grundlage zu schaffen: Datenbasis bereinigen, Halbjahreszahlen analysieren, Wachstumstreiber definieren und die richtigen Fragen stellen. Wer im Oktober mit einer sauberen Ausgangslage in die strategische Planung geht, erstellt kein Budget – er entwirft eine strategische Roadmap für sicheres und profitables Wachstum.

Lektion 6: Dir fehlt der Finanzprofi im Raum

Das ist die Lektion, über die selten gesprochen wird, lange aufgeschoben wird und die viel kostet. Wachstumsunternehmen bestehen häufig aus exzellenten Fachexperten: brillante Marketer, erfahrene Entwickler, spezialisierte Dienstleister. Aber niemand am Tisch denkt in Margen je Segment (Projekt, Kunde, Produkt/Dienstleistung etc.), Kapitalrenditen und Cashflows. Die Folge: Entscheidungen werden auf Basis von Umsatz, Kontostand und Bauchgefühl getroffen, nicht auf Basis von Wirtschaftlichkeit. Ein Finanzprofi auf Geschäftsführungsniveau verändert die Qualität dieser Entscheidungen fundamental. Nicht weil er bremst, sondern weil er dafür sorgt, dass Wachstum sich auch rechnet.

Fazit

Der Sommer wird dein Business nicht von selbst voranbringen. Aber er gibt dir etwas, das du den Rest des Jahres kaum hast: Zeit zum Denken, Planen und Gestalten. Die Unternehmer, die dieses Fenster bewusst nutzen, starten nicht nur erholt in den Herbst – sie starten mit klareren Zahlen, stabilerem finanziellen Fundament und einem Vorsprung, den andere nicht schnell aufholen können.

Wenn du erkennst, dass einer oder mehrere dieser Punkte bei dir zutreffen, dann ist jetzt der richtige Moment, das zu ändern.

Welcher dieser sechs Punkte trifft bei dir gerade am meisten zu? Schreib es mir eine Nachricht – ich freue mich auf den Austausch.

Über den Autor

Ari Ahmed

Gründer Aurelio Finance | Externer CFO

Nach 12 Jahren in der Unternehmensberatung, davon rund 8 Jahre in der Restrukturierung, habe ich immer wieder gesehen, dass Unternehmen nicht an fehlender Buchhaltung, sondern an fehlender strategischer Finanzplanung scheitern. Häufig werden wirtschaftliche Auswirkungen von Entscheidungen, Marktveränderungen oder neuen Projekten erst erkannt, wenn Rentabilität und Liquidität bereits darunter leiden. Genau diese Lücke schließe ich heute als externer CFO für wachsende, profitable Unternehmen – lange bevor eine Krise entsteht und zu einem Bruchteil der Kosten eines Vollzeit-CFO. So werden Entscheidungen nicht mehr aus dem Bauch heraus getroffen, sondern auf Basis belastbarer Zahlen, integrierter Finanzplanung und vorausschauendem Controlling.

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